Ortenberger Feuerwehren hatten deutlich mehr Einsätze zu bewältigen

Jahreshauptversammlung der Feuerwehr der Stadt Ortenberg

Verhaltenen Optimismus hinsichtlich der Mitgliederentwicklung der Feuerwehren der Stadt Ortenberg verbreitete Stadtbrandinspektor Lars Henrich auf der gemeinsamen Jahreshauptversammlung der Feuerwehren in der Burghalle Lißberg. Zum Jahresende 2008 waren 199 Männer und 22 Frauen in den zehn Ortsteilwehren engagiert – immerhin 13 mehr als im Vorjahr.

Dieser positive Trend sei jedoch mit Vorsicht zu beurteilen, da die Jugendfeuerwehren trotz hervorragender Arbeit der Jugendwarte unter Führung von Stadtjugendwart Markus Bäckel einen erheblichen Mitgliederrückgang zu verzeichnen haben. In diesem Zusammenhang lobte Henrich das Engagement im Bambini-Bereich, wo inzwischen neben Bleichenbach auch in Usenborn eine Gruppe aktiv ist. “Um in Zukunft eine starke Einsatzabteilung vorweisen zu können, bedarf es einer rechzeitigen Jugendarbeit”, unterstrich der Stadtbrandinspektor.

Als erste Folge des rückläufigen Nachwuchses aus den Jugendwehren sah Henrich die Tatsache an, dass die in den Jahren 2006 und 2007 auf Stadtebene durchgeführte Truppmann II-Ausbildung 2008 aufgrund fehlender Einsatzkräfte nicht umsetzbar war. 30 Kameraden erhielten wieder die Möglichkeit, unter Anleitung von erfahrenem Personal eine Ausbildung in einem Brandsimulations-container bei der Feuerwehr Büdingen zu absolvieren. Wie Henrich betonte, sei speziell die ständige Atemschutzausbildung notwendig, da sich das Vorgehen und die Brandbekämpfung unter Atemschutz aufgrund von Erfahrungen laufend ändern. Durch den Besuch von Lehrgängen an der Landesfeuerwehrschule in Kassel bildeten sich zahlreiche Kameraden auch 2008 in Eigeninitiative und unter Einsatz ihres Erholungsurlaubs weiter, was Henrich besonders lobend erwähnte.

2008, so Henrich, mussten die zehn Stadtteilwehren insgesamt 191 Einsätze bewältigen – 59 mehr als im Vorjahr. Insbesondere die Zahl der Brandeinsätze stieg von 36 auf 62 enorm an, aber auch die Hilfeleistungen (99 gegenüber 83) und Fehlalarme beziehungsweise Täuschungsalarme (30 gegenüber 13) nahmen zu. Insgesamt leisteten die Feuerwehren 504 Einsatzstunden ab, die sich auf 3274 Personalstunden summierten. Darüber hinaus leisteten die Feuerwehren bei zahlreichen Veranstaltungen Brandsicherheitsdienste. In Zukunft, so Henrich, werde man sich weiterführende Gedanken über Möglichkeiten der Öffentlichkeitsarbeit in den Bereichen Brandschutz und Jugendfeuerwehr machen müssen, um Aufmerksamkeit und Interesse bei den Bürgern zu wecken und den Fortbestand der Feuerwehren zu sichern.

Im Bereich der Ausstattung stünden einige Ersatzbeschaffungen auch im Fahrzeugbereich an. Den Feuerwehren seien die Investitionssummen dieser Beschaffungen bewusst, jedoch seien sie mittel- und langfristig notwendig. Die Schließung der Atemschutzwerkstatt Gedern vor einem Jahr stelle die Stadt Ortenberg vor ein andauerndes Problem. Zurzeit würden die gebrauchten Geräte in der Atemschutzwerkstatt der Feuerwehr Bad Nauheim gewartet, was für die Einsatzkräfte zu einem erheblichen Mehraufwand führe, da diese Werkstatt nur während der üblichen Geschäftszeiten zu erreichen sei, sodass die Einsatzkräfte nicht selten Urlaub dafür nehmen müssten, die Geräte anzuliefern. “Aus einsatztaktischer und organisatorischer Sicht ist hier umgehender und unaufschiebbarer Handlungsbedarf zu sehen”, so Henrich.

In seiner Rede bedauerte der Stadtbrandinspektor außerdem, dass die Feuerwehren neben ihren eigentlichen Aufgaben zunehmend Verwaltungstätigkeiten mit übernehmen müssten, die angesichts der Ehrenamtlichkeit der Einsatzkräfte dazu führten, dass weniger Zeit für die feuerwehrtechnischen Arbeiten bleibe. Als Beispiel nannte Henrich die Inventarisierung jedes feuerwehrtechnischen Artikels durch die Angehörigen der Einsatzabteilungen. Anschließend dankte er allen Wehrführern und Stellvertretern, allen Jugendwarten, Bürgermeisterin Ulrike Pfeiffer-Pantring, Hauptamtsleiter Rudi Steiper und dem städtischen Feuerwehr-Sachbearbeiter Erhard Zahn für die konstruktive Zusammenarbeit.

Pfeiffer-Pantring sprach in ihrem Grußwort von einem turbulenten Jahr, sowohl was die Einsätze als auch die Diskussionen in den Gremien betraf. Die aktuelle Wirtschaftskrise mache es schwer, konkret für die Zukunft zu planen, weil man nicht sagen könne, wieviel Geld zur Verfügung stehen werde. Dies betreffe auch den Bereich Feuerwehr. Dennoch sei sie sicher, dass seitens der Stadt und der Feuerwehren auch diese Krise bewältigt werden könne, ähnlich jener, die auf den 11. September 2001 folgte. Einen Blick in die Zukunft wagte die Bürgermeisterin auch hinsichtlich des Themas Digitalfunk nicht, das zwar in aller Munde sei, aber offenbar nicht so unproblematisch wie ursprünglich erhofft.

Erster Stadtrat Uli Heck bezeichnete die freiwillige Feuerwehr als wesentlichste ehrenamtliche Einrichtung der Gesellschaft. “Feuerwehren sind das Rückgrat unserer Sicherheit”, betonte er und sicherte den Feuerwehrleuten deshalb die stete Unterstützung zu. Kreisbrandinspektor Otfried Hartmann lobte in seinem Grußwort Lars Henrich als einen der besten Stadtbrandinspektoren im Wetteraukreis. Er sprach ebenfalls die negative Mitgliederentwicklung in den Freiwilligen Feuerwehren an. “Wir haben ein Problem in unserer Personalentwicklung und müssen uns künftig verstärkt Gedanken über das Thema Ehrenamtsgewinnung machen”. Insbesondere sei das Fehlen qualifizierter Führungskräfte, die auch genügend Zeit bekommen, sich zu engagieren, ein Problem. Mit Bezug auf die verheerenden Brände in Griechenland betonte er: “flächendeckender Brandschutz ist wichtig”. In Bezug auf den Digitalfunk beruhigte er die Bürgermeisterin. Es gebe billige und hochwertige Varianten, in Deutschland habe man sich für ein hochwertiges System mit sehr zuverlässigem Netz entschieden.

Text & Bilder: Manuela Baumann


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