Ein ganzer Samstag im Zeichen der Aus- und Weiterbildung stand am 17. Oktober 2026 bei der Freiwilligen Feuerwehr Usenborn auf dem Programm.
Bei einem umfangreichen Praxistag beschäftigten sich die Einsatzkräfte mit ganz unterschiedlichen Themen aus dem Feuerwehralltag. Von aktuellen Neuigkeiten aus der Einsatzabteilung über besondere Herausforderungen bei Windenergieanlagen und den richtigen Einsatz von Löschschaum bis hin zu mehreren praktischen Einsatzübungen reichte das Programm.
Der gemeinsame Ausbildungstag begann am frühen Nachmittag mit der Begrüßung der Teilnehmer und einem Überblick über aktuelle Themen und Neuigkeiten rund um die Einsatzabteilung. Anschließend rückte ein Thema in den Mittelpunkt, das die Feuerwehren der Region künftig vor neue Herausforderungen stellen wird.
Windenergieanlagen stellen Feuerwehren vor besondere Herausforderungen
Florian Neuen gab den Teilnehmern eine kurzen Einblick in den entstehenden Windpark Ortenberg. Im Mittelpunkt standen dabei insbesondere mögliche Gefahrenlagen und Einsatzszenarien, mit denen die Feuerwehr bei einem Zwischenfall an einer Windenergieanlage konfrontiert werden könnte.
Besprochen wurde unter anderem das Szenario eines Brandes im Maschinenbreich einer Windenergieanlage. Befindet sich der Brand in rund 160 Metern Höhe, sind die Möglichkeiten der örtlichen Feuerwehr zur direkten Brandbekämpfung stark eingeschränkt. Für die Einsatzkräfte ist es deshalb wichtig, sich bereits im Vorfeld mit möglichen Gefahren, den örtlichen Gegebenheiten und denkbaren Einsatzsituationen auseinanderzusetzten.
Der kurze Exkurs machte deutlich, dass sich das Aufgabensprektrum der Feuerwehr mitVeränderungen in ihrer Umgebung ebenfalls weiterentwickelt und neue technische Anlagen auch neue Fragestellungen für die Einsatzplanung mit sich bringt.
Wissen aus Schaumseminar weitergegeben
Mit einem klassischen, aber keineswegs alltäglichen Thema der Brandbekämpfung ging es anschließend weiter. Axel Bechtoldt berichtete von einem zuvor besuchten Schaumseminar des Wetteraukreises und gab die dort vermittelten Inhalte in einem theoretischen Kurzunterricht an die Kameradinnen und kameraden weiter.
Dabei standen unterschiedliche Schaummittel, die dazugehörige Einsatztaktik sowie die richtige Löschtechnik im Mittelpunkt. Insbesondere der Einsatz von Schwer- und Mittelschaum wurde näher betrachtet. Neben dem eigentlichen Löschmittel spielt bei einem Schaumeinsatz auch die richtige Anwendung eine entscheidende Rolle.
Damit bildete der Unterricht zugleich die theoretische Grundlage für eine praktische Ausbildungseinheit, der später am Tag folgen sollte.
Rettung eines verunfallten Dachdeckers vom Baugerüst
Nach den theoretischen Themen verlagerte sich der Praxistag am späten Nachmittag vollständig in die praktische Ausbildung. Bei der ersten Übung wurde ein anspruchsvolles Szenario aus dem Bereich der technischen Hilfeleistung angenommen. Ein Dachdecker war auf einem Baugerüst verunglückt und musste von dort gerettet werden.
Die Einsatzleitung übernahm Fabian Emrich. Ziel der Übung war dabei nicht alleine die Rettung der angenommenen verletzten Person (Übungspuppe mit 60 Kg Gesamtgewicht). Vielmehr sollten verschiedene Möglichkeiten der patientenorientierten Rettung praktisch ausprobiert und miteinander verglichen werden.
Zunächst wurde eine schnelle sogenannte Crash-Rettung über das Baugerüst und die vorhandene Treppe durchgeführt. Eine solche Variante kann insbesondere dann von Bedeutung sein, wenn eine Person aufgrund einer unmittelbaren Gefahrenlage möglichst schnell aus einem Bereich herausgebracht werden muss.
Im weiteren Verlauf wurde eine andere Methode trainiert. Dabei wurde die Krankentrage mithilfe von Sicherheitsleinen frei über das Gerüst geführt und ausbalanciert. Damit konnten die Einsatzkräfte unmittelbar erleben, welche Anforderungen eine solche Rettungsmethode an die eingesetzten Kräfte, die Abstimmung untereinander und die Sicherung stellt.
Gerade der direkte Vergleich war für die Ausbildung von besonderem Wert. Alle drei geübten Rettungsmöglichkeiten haben ihre jeweiligen Vor- und Nachteile. Welche Technik im Ernstfall geeignet ist, hängt deshalb immer von der konkreten Einsatzsituation und den Gegebenheiten vor Ort ab.
Neue Schaumpistole im praktischen Einsatz
Nach der umfangreichen Rettungsübung folgte der zweite praktische Ausbildungsschwerpunkt des Nachmittags. Passend zum theoretischen Unterricht stand nun eine kleine Schaumübung auf dem Programm.
Dabei kam auch die neu angeschaffte Löschpistole der Feuerwehr zum Einsatz. So konnten die zuvor besprochenen Grundlagen direkt in die Praxis übertragen und die Handhabung des neuen Gerätes trainiert werden.
Für die Übung wurde ausschließlich entsprechender Übungsschaum verwendet, der für die Umwelt ungefährlich ist. Auf diese Weise konnten die Feuerwehrangehörigen die Erzeugung und Anwendung des Schaums praktisch erproben, ohne dabei auf das bei realen Brandeinsätzen vorgesehen Schaummittel zurückgreifen zu müssen.
Der praktische Teil bot gleichzeitig Gelegenheit, sich mit den neuen Löschpistolen vertraut zu machen und Erfahrungen im Umgang mit der Technik zu machen.
Verrauchte Räume fordern die Einsatzkräfte
Mit der dritten Übung des Tages wartete schließlich noch einmal ein Einsatzszenario aus der Brandbekämpfung und Menschenrettung auf die Teilnehmer. Angenommen wurde ein Brand im Bürgerhaus, bei dem sich angeblich noch zwei Personen im verrauchten Gebäude befanden. Die Einsatzleitung bei diesem Szenario übernahm Tobias Weinthäter.
Damit waren gleich mehrere typische Aufgaben eines Brandeinsatzes miteinander verbunden. Neben dem Aufbau des Löschangriffs stand vor allem die Suche und Rettung der vermissten Personen aus dem verrauchten Bereich im Mittelpunkt. Für die Einsatzkräfte bedeutet dies, die zuvor erlernten und regelmäßig trainierten Abläufe unter möglichst praxisnahen Bedingungen anzuwenden. Gerade bei solchen Übungen kommt es darauf an, dass die einzelnen Aufgaben ineinandergreifen und die Eingesätzen Kräfte ihre jeweiligen Tätigkeiten aufeinander abstimmen.
Nach der technischen Hilfeleistung am Baugerüst und dem praktischen Umgang mit Schaum bildete die Übung im Bürgerhaus damit einen weiteren, völlig anderen Ausbildungsschwerpunkt und rundete den praktischen Teil des Tages ab.
Erfahrungen gemeinsam auswerten
Nach einem langen und arbeitsreichen Ausbildungstag war mit dem Ende der letzten Übung jedoch noch nicht ganz Schluss. Am frühen Abend kamen die Teilnehmer noch einmal zusammen, um die unterschiedlichen Übungen nachzubesprechen.
Dabei konnten die angewandten Vorgehensweisen noch einmal betrachtet und die Erfahrungen des Tages miteinander ausgetauscht werden. Besonders die verschiedenen Varianten bei der Rettung vom Baugerüst boten dabei reichlich Gesprächsstoff, schließlich hatten die Einsatzkräfte mehrere technische Möglichkeiten unmittelbar nacheinander ausprobieren können.
In geselliger Runde lies die Feuerwehr Usenborn den Praxistag schließlich ausklingen.
Hinter den Mitgliedern der Einsatzabteilung lag zu diesem Zeitpunkt ein vielseitiges Ausbildungsprogramm, das ganz unterschiedliche Bereiche der Feuerwehrarbeit miteinander verbunden hatte. Moderne Gefahrenlagen durch Windenergieanlagen, Kenntnisse über Löschschaum und Löschtechnik, technische Hilfeleistung, Personenrettung und klassischer Löschangriff hatten an einem einzigen Tag ihren Platz gefunden.
Der Praxistag zeigt damit auch, wie breit das Wissen und die Fähigkeiten aufgestellt sein müssen, die im Feuerwehrdienst benötigt werden. Regelmäßige Ausbildung und das gemeinsame Üben unterschiedlicher Einsatzszenarien sind wichtige Voraussetzungen dafür, im Ernstfall als Mannschaft auf unterschiedlichste Situationen vorbereitet zu sein.
Für die Feuerwehr Usenborn ging damit ein arbeitsreicher, lehrreicher und abwechslungsreicher Ausbildungstag zu Ende, bei dem neben dem fachlichen Wissen vor allem eines gefragt war: Gemeinsam üben, Erfahrungen sammeln und die unterschiedlichen Möglichkeiten der Feuerwehrtechnik praktisch kennenzulernen.
Bildergalerie:







Text und Bilder: Florian Neun (stellv. Stadtbrandinspektor, Feuerwehr Usenborn)





